Was ist eigentlich unser Feminismus?

 
 
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Jede Frau hat ihre ganz persönliche Vorstellung von Feminismus, geprägt durch eigene Erfahrungen, eigene Wertvorstellungen und der Umgebung, in der man lebt. Ist es also möglich, dass wir in unseren Ansichten und Auffassungen von Feminismus übereinstimmen? Oder können wir gar eine gemeinsame Einigung finden? Die Frage ist also, ob die Bürgermeisterin, die schon viele Jahre in der Frauenpolitik unterwegs ist das gleiche denkt, wie die 30-jährige werdende Mutter. Dieser Frage haben wir uns in der AsF Bielefeld gewidmet. Heraus kam dabei ein Konsens, der sich sehen lässt.


„Heraus mit dem Frauenwahlrecht!"

Gut 100 Jahre ist es her, dass dieser Slogan auf einem Werbeplakat zum 8.März stand. Das Frauenwahlrecht wurde in Deutschland 1918 eingeführt und zwar deshalb, weil Frauen ihre Stimme erhoben und für ihre Rechte kämpften. Das Leben, das Frauen in der heutigen Zeit führen ist also zu großen Teilen der Verdienst der Großmütter und Mütter, die auf die Straße gingen und auf sich aufmerksam machten. Der Gleichheitsgedanke wurde durch August Bebel verbreitet und vor allem sein sozialer Anspruch auf Gerechtigkeit brachte das Frauenrecht voran. Es wurde viel erreicht, viele Gesetze wurden zu Gunsten von Frauenrechten geändert oder neu verfasst, wie die UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau. Er gilt als der wichtigste Vertrag seiner Art und wurde von 187 Ländern unterzeichnet. Doch sind wir mal ehrlich, es wäre uns lieb, wenn sich die Gesellschaft an diese UN-Konvention halten würde.

Wie auch, wenn die Gender Pay Gap 22 % bzw. 7% beträgt, der Anteil der Frauen, die im aktuellen Bundestag sitzen nur 36 % ausmachen und jede dritte Frau schon einmal sexuell belästigt wurde. Wir sehen also, dass nach langen Jahren voller Kämpfe die Gleichberechtigung im wirklichen Leben noch nicht erreicht ist.

 

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Alle für alle

Heute geht es einfach um viel mehr als um die reine Gleichberechtigung der Frau. Gender Mainstreaming steht für die Gleichstellung von Mann und Frau in allen Lebensbereichen, für Chancengleichheit in Bereichen wie Familie und Wirtschaft.

Dies bedeutet, dass Männer auch weiblich sein dürfen, Frauen eine Quote erfüllen und dass Menschen weder Frau noch Mann sein müssen. Feminismus umfasst also viel mehr als Emanzipationsbestrebungen. Es ist eine politische Bewegung, gesellschaftskritische Strömung und ist nicht nur für die Frau, sondern auch für den Mann.


Von der Rolle

Stereotype Rollenbilder sind immer noch vorherrschend in unserer Gesellschaft. Kindererziehung wird sexualisiert und erfährt eine intensive Vergeschlechtlichung, zum Beispiel durch spezifisches Spielzeug für Mädchen oder Jungen, durch Kleidung und anerzogene Verhaltensweisen.

Es herrscht oft immer noch ein altes Frauen- und Familienbild vor: Frauen sind zerbrechlich, kümmern sich um Kinder und Haushalt und legen viel Wert auf ihr Äußeres. Und die Männerrolle? Machos sind nicht mehr gefragt, „Schluffis" aber auch nicht. Was ist, wenn der Mann zu Hause bleiben will und sich um die Kinder kümmern möchte? Gut so! Aber es sollte nicht hervorgehoben werden müssen, sondern einfach normal sein. Jeder sollte seine eigene Rolle finden dürfen. Ob die nun hinter dem Herd ist oder in einem Fulltime-Job. Ob in Kleidern oder Anzügen, ob wir nun laut oder leise sind. Und ja, wenn uns danach ist, uns pink und plüschig anziehen zu wollen, ist das unsere eigene Freiheit! Warum? Weil wir alles machen wollen, was uns gefällt, weil wir das sind und keine vorgefertigte Rolle!

Jedes Familienbild sollte anerkannt werden und man soll sich nicht rechtfertigen müssen. Dazu zählt auch, dass Familie und Beruf vereinbar sein muss! Die Politik muss also der Wegbereiter sein, damit die Gesellschaft besser zusammen agieren kann.

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Die Frage der Macht

Im Feminismus setzt man sich mit Dominanz, Herrschaftsverhältnissen und Macht auseinander. Wir wollen mehr Frauen in Führungspositionen sehen, aber auch in politischen Ämtern und männertypischen Jobs. Es geht also um die Sichtbarkeit der Frau. Quoten sind das Mittel zum Zweck dafür und unausweichlich. Aber mal im Ernst, eine echte Frauenquote muss her und nicht nur eine für börsennotierte und mitbestimmungspflichtige Dax- Unternehmen, denn das sind in Deutschland nur rund 170 Positionen. Faktisch hatten wir jahrhundertelag eine Männerquote, wie zum Beispiel in der Wissenschaft. Wie soll diese abgebaut werden, wenn nicht durch eine gesetzliche Frauenquote? Die Frage warum wir eine Quote brauchen ist damit wohl beantwortet!


Immer dieser „-ismus"

Feminismus möchten wir nicht einseitig sehen und zwar, weil wir einen modernen der Zeit angepassten Feminismus vertreten. Er ist intersektional und global, sieht also, dass viele Personen nicht nur in einem, sondern in verschiedenen Bereichen diskriminiert werden. Also betrachten wir auch Rassismus und Sexismus. Wir haben viel vom alten Feminismus á la Alice Schwarzer gelernt, doch uns selbst eingestanden, dass dieser zur heutigen Zeit nicht mehr ausreicht. Aber das ist nicht schlimm; Feminismus wird dadurch nicht zum Unwort, sondern er zeigt Unterschiede auf. Aus Auseinandersetzungen lernt man und kommt voran. Streitkulturen sind im gewissen Maße der produktiven Auseinandersetzung gewünscht und es ist nicht negativ aufzufassen. Und ja, auch das passt in unsere Weiblichkeitsvorstellungen!

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Also?

Ob alt oder jung, dick oder dünn, religiös oder atheistisch, homo oder hetero, Mann oder Frau oder was auch immer du sein möchtest, in unserem Feminismus sind alle gleichberechtigt. Wir stehen für einen globalen intersektionalen Feminismus, der weiß, wo er herkommt und aus Erfahrungen lernen möchte und neue Impulse setzen möchte. Dafür wollen wir kämpfen! Wir wollen eine politische Bewegung sein, die Forderungen stellt und Missstände aufdeckt und die Gesellschaft sensibilisiert für unseren Feminismus. Zudem feiern wir in unserem Feminismus unsere eigene Freiheit und arbeiten zusammen und nicht gegeneinander!

Are you a feminist?”
”Yes. What else is there to be? Everything else is being an asshole.
— Salman Rushdie, Autor